Motto: Was nicht dein ist, das laß 
      liegen.

Der Seelenmarkt
Novelle von Leopold Schefer

bullet1 Interessant   Ach Gott vom Himmel sieh darein!


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    Als aber sein Mädchen, weiß und schön, einen weißen Rosenkranz im Haar, auf die himmelblauseidene Decke gelegt war, und das müde theure Haupt auf das himmelblauseidene Kissen, da gab ihr der Vater eine von Erz gegossene vergoldete Tafel unter den rechten Arm, darauf stand der dankbar-frohe Brief an den himmlischen Vater: Friedrich Wilhelm der Dritte, König von Preußen, der Haupt-Erlöser des Vaterlandes von fremdem Druck, sicherte auch in Gottes Deutschland zuerst die Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck, im Frühjahr 1828.


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    Als nun die Altenburgische Muhme die Todte, wie darüber froh, so ruhig und so schön sah, und vom Wahnsinn des Vaters zwar so ernst und feierlich, doch auch so wunderlich beladen, und als die berühmten Currende-Schüler eine kostbare Motette von Homilius leise anstimmten, da sprach sie:

    „Ach, wie heilig ist der Ort!
    O, wie heilig ist die Stätte!
    Hier ist selbst des Himmels Pfort';
    Hier erhöret Gott Gebete;
    Hier erschallet Gottes Wort;
    Ach, wie heilig ist der Ort!“

    — „Aber, mein lieber Herr Bruder, wie kann denn Hilda deinen Auftrag ausrichten? — Sie geht ja in die Erde, das liebe, liebe Kind!“

    Der Vater Warnkönig aber sprach, ihr aus demselben Liede antwortend:

    „Läuft Zachäus mit Begier,
    Seinen Jesum zu erblicken:
    Ach, so kann Gott Lob, auch hier
    Jeder sich zum Laufen schicken!
    Der erlanget hier sein Ziel,
    Welcher Christum sehen will! —“


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    „Und“ — setzte er hinzu, „der liebe Gott hat sein Herz auf Erden In weisen, gerechten Regenten, und seine Augen in jedem vernünftigen Menschen — auch einst in der Zukunft; die werden schon lesen! Kinder, nun fort! Darauf hat der Himmel schon lange gewartet!“

    Und unter sanften Gesängen ward die schöne, lächelnde Todte dahingetragen zu ihrer Ruhe an der Seite der Mutter, die eherne Tafel an ihre Brust.

    Ende