Motto: Was nicht dein ist, das laß 
      liegen.

Der Seelenmarkt
Novelle von Leopold Schefer

bullet1 Herr Mauskopf


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    Hilda las noch, als der wahre Herr Mauskopf, der Vater, erschien. Ein schlauer gewandter Mann von nicht übelm Aeußern, nur wie sein Gesicht verrieth: ein Weintrinker einigermaßen oder Maaße des Tages, und sehr mäßiger Wassertrinker des Nachts. Da keine Leidenschaft lange ohne eine Gesellin bleibt, so sah er gespannt auf das schöne glühende Mädchen in sei mm Laden.


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    Sein Sohn erschrak über den Blick aus seines Vaters Augen auf Hilda, und rief einen flüchtigen Anhauch von Schamröthe auf dessen Gesicht durch die leise Vorstellung 'derselben: „Herrn Warnkönigs Tochter! Fräulein Hilda!“
    Der Vater biß aus die Lippen und sprach nur: „Ah, ah!“ aber er sah die Currende in ihrer Hand, erbat“ sie sich höflichst von ihr, «nd wendete sich voll heiligen Zornes gegen den Sohn. Denn da auch ihm die erbärmlich-schöne Methode bekannt war, sich bei Fremden, Gasten, oder Feinden, die man heimlich meint, dadurch schnell in einen unzweideutig jämmerlichen Respect zu setzen, daß man etwa seinen eigenen Hund bardarisch vor ihren Augen durchprügelt, oder noch besser, wohl gar ihm bei wichtigen Fällen ein Auge aus dem Kopf schlägt; einen Bedienten die Treppe hinunter zu werfen droht oder wirklich wirft, oder das reizende Stubenmädchen in den Thurm setzen läßt — so wandte Herr Mauskopf auch hier diese für einen Waschbär gewiß edle Methode aus Rache gegen den Sohn an, und sprach: „Nun, Du Edler von Mauskopf — verzeihen Sie, Herr von Mannskopf — Du ungerathener Sohn! ist es nicht genug, daß Du mir der Mutter Vermögen entziehest, Dich von Deinem Vater, wie von einem Aussätzigen, fern etablirst und ein Gut kaufst, und unseren alten Namen Mauskopf verläugnest? Verräthst Du uns noch, daß Du diesem sehr lieben und schönen Fräulein hier die Currende zu lesen giebst?


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    — Fort aus meinen Augen!“ — Dabei ergriff er ohngefähr sieben Haare von einer der schwarzen Locken des Sohnes und führte den Geduldigen mehrere Schritte hinweg.
    Als er ihn losgelassen, sprach der Sohn mit vor Schaam gebeugtem Gesicht sehr sanft zu ihm: „Mein lieber Vater, nehmen Sie wenigstens noch dieß Blatt von dem Fräulein an Sie! es ist nicht mehr an mich!“
    — Dann ging er;
    Hilda hatte sich weggekehrt. Herr Mauskopf durchlas die Schadenberechnung und fragte dann artigst: „Also 9000 Fl. in Silber?“
    „Nun Sie auch „Deutschland“ nachgedruckt haben, wenigstens das Doppelte;“ antwortete Hilda.
    „Also 18,000, allerliebstes Fräulein Warnkönig. Nun! — Aber in Wahrheit, so viel bin ich jetzt nicht vermögend! Mein ungerathener Sohn, um aus einem unedlen Nachdrucker ein „Edler“ zu werden, hat sich für ein paar tausend Gebetbücher' nach der Mode und Handschuhe — nämlich für Antonio's von Signor Don Handschuh — die er nachgedruckt hat, edlen lassen: Edler von Mauskopf! Um aber das häßliche u aus der Maus zu bringen, und es bei dem Marschallamt nachträglich in ein n verwandeln und respective dann auch noch verdoppeln zu lassen, und Edler von Mannskopf zu heißen, kostet ihm abermal — das Versprechen einer neue Auftage von hundert Dutzend Handschuhen. Ich aber bin und bleibe Mauskopf!


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    und hätte ich nicht — mit Ihrer Erlaubniß — Kopf, so wäre ich blos eine arme Maus!“
    „Hatten Sie lieber Herz!“ sagte ihm Hilda. „O sie sehen, ich habe Muth!“ entgegnete Mauskopf. „Aber ich muß nun sparen, und habe schon, blos um keine neue Firma auf dem Schilde dem Schreiber bezahlen zu müssen, mir einen Compagnon Namens John ausgewählt, weil so das S in „Sohn“ bloß oben ein Häckchen links und einen Strich durch zu bekommen braucht, und zwar von Golde! — Wie viel beliebten Sie doch Entschädigung ?“
    Hilda war entrüstet über den kleinlichen schlauen Mann, und fragte sich selbst halblaut: „Was fängt man mit einem solchen Geizhals an?“
    Und für dieß Compliment der Sparsamkeit — in dieser letztbelrübten Zeit — sich verneigend, sprach er zum Scheine beleidigt: „Auch Ich bitte mir einigen Nespect aus! Sind wir Buchhändler — oder Buchladen — nicht das Aegypten Deutschlands? Sind wir oder sie nicht die meilenlangen Felsenwände mit Inschriften, die Hypogäen voll Bilder, die Obelisken mit Hieroglyphen! Sind wir nicht die Königsgräbet mit Särgen und Papyrusrollen? Wir nicht die Lehrer der Priester und Aerzte selbst, die da lehren, mittelbar lehren, durch die Bücher in unserem Handel? Sonst stand eine Bibel auf 79 Kuhhäuten — damals waren die Papiermacher Cavallier; wir haben sie zu Ehren gebracht:


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    zu Lumpen-Papiermachern. Hätte die ganze Welt uns nicht, müßte die ganze Welt — die jetzt eben kein Geld dazu hat, — nicht auch noch zu einem äußerst kostspieligen Aegypten werden, um etwas zu sein und nachzulassen! Also! — Wir bitten uns einige Ehrfurcht aus, ihr Kopten und Türken der Welt! Ist die Freiheit nicht Nichts ohne die Preßfreiheit? und ist die Preßfreiheit etwas ohne die freie Presse — mit Freiheit, ja mit dem theuer — fast durch die Ehre — erkauften Privilegium: nachzudrucken! und das habe, ich, so gut, wie ein freier Amerikaner das Recht.: Sclaven zu kaufen und zu verkaufen! Ich betrüge also den Staat nicht! Wie viel beliebten Sie doch Entschädigung ?
    — Hilda sammelte Zorn.
    „Sehen Sie nicht so ernst aus, allerliebste Nordländerin! Denn wie wohlfeil liefern wir Bücher, die bei Ihren Preisen hier ganz unbekannt geblieben! Wir verwohlfeilen sie im Sinne der Zeit; denn es muß noch zehnmal soviel Honorar bezahlt werden, wenn zwanzigmal so viel Bücher gedruckt werden; und das wird und muß — denn es stecken im Volke noch hundertmal mehr Leser, als jetzt lesen und bloß , noch Christenthum lernen! Und wie frühe schon haben wir Werke nachgedruckt, die selbst bei Ihnen jetzt keiner zum Erstenmal drucken dürfte! Oder halten Sie das nicht für groß — ist ein hier zu Lande,ober richtiger gesagt — hier zu Ländern nachgedrucktes Buch nicht ein ganz Anderes?


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    Fehlen nicht gerade alle Kraft» und Machtstellen der Vernunft und der vernünftigen Freiheit darin? Vermissen diese nicht unsere Klugen, und lassen sich unter allerhand Waaren verpackt die ächte Nießwurz kommen? So schaden Wir nicht, und nutzen doch! Allerliebste Nordländerin, — Seele, meineSeele möchte ich sagen — wie viel beliebten Sie doch Entschädigung? Denn Satz der Lettern, Druckpapier und alles Andre berechnet, verkaufe ich meine Bücher mit sehr billigem Gewinn — ich betrügt also das Publikum nicht!“
    — „Aber meinen Vater!“ — sagte Hilda im Eifer, aber schon halb in Thränen — „und manche Andre!“ setzte sie hinzu, um, wie sie meinte, das Wort zu mäßigen.
    „Hm! liebe Hilda, gute Tochter, geben Sie mir Ihre kleine schöne Hand, und hören Sie mich an“ —. fuhr Herr Mauskopf fort, und sah ihr dabei scharf in die Augen — „ betrügt Ihr liebe« Herr Vater nicht auch?“
    Hilda entzog ihm empört die Hand.
    Und so mäßigte er auch jetzt sein Wort, und setzte gleichfalls hinzu: „wie manche Andre?“ — Und von ihm in ihrer schaamvollen Würde und Stille wiederum an der Hand gefaßt und gehalten, mußte sie hören: „hat Ihr Herr Vater nicht nachgedruckt und nachgestochen? Denn ich weiß sehr wohl, was nachdrucken ist: die Exemplare oder Auflagen eines Buches vermehren,


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    ohne dem Schriftsteller, oder wem er sein Recht dazu käuflich abgelassen, dafür gerecht zu werden! Hat Ihr Herr Vater, liebes Hildchen, nun niemals die Auflage stärker gemacht, als bedungen? Jedesmal es dem Autor gemeldet, wenn sie vergriffen war? Niemals ein englisches oder französisches Werk in einer Uebersetzung herausgegeben, ohne... Sie wissen schon! und ich sehe es Ihnen an. Geht die deutsche Ehrlichkeit nur bis an die Grenze? Jenseits wohnen keine Menschen, die Rechte und Rechtsgefühl haben? Auflage und Mühe zu stehlen macht nirgends ehrlich; und wenn ein Dieb 10,000 Gulden darauf wendete, eine verwünschte Stecknadel zu — übersetzen, so wär er ein Narr wohl, aber kein ehrlicher Mann. Und sind verkleinert oder vergrößert, ja verbessert, herausgegebene Blätter, die ursprünglich ein Andrer besorgt, seien es Bilder oder Charten — wie ich es, zum Beispiel mit Ihres Herrn Vaters Deutschland in Bildern gemacht — kein Diebstahl? Sehn Sie mich an! — bin ich kein Dieb? Ja, doch leider nur Einer! Aber Ihr Herr Vafer, liebes Hildchen, ist auch nicht — Keiner! Ich kann ihm nicht helfen, Ihnen nicht helfen, und wenn Sie noch blässer würden, und noch mehr zu zittern beliebten. Sie sehen — ich fühle fein! feiner, als meine berühmten Collegen, die sich meiner schämen — wie der Zöllner am Wege, der an seine Brust schlug und Gott dankte, daß er nicht sei — wie Ich, zum Exempel.


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    Wer nicht ganz rein ist von Sünde, der ist ein Sünder, und darf keinen Stein aufheben zu steinigen. Und was schrieb Christus mit dem Fin. ger auf die Erde? man weiß es nicht recht, aber er« gänzt und übersetzt würde es heißen: Ihr sollt nicht nachdrucken! Ick weiß, Sie sind gut — wie viel belieben Sie dem: Entschädigung?“
    „Komm fort, Mutter!“ bat der kleine Cornelius, sie an der Hand ziehend.
    „Das liebe Kind ist doch nicht das Ihre?“ sprach Herr Mauskopf. „Oder desto besser!“ desto eher! — Willst Du mein Söhnchen sein?“ — Aber der kleine brave Mann gab ihm, der sich zu ihm gekauert hatte, eine derbe Ohrfeige, daß Herr Mauskopf sich herzlich freute und lachte. Hilda aber, Schmach auf Schmach erlebend, Herabsetzung des Vaters — und Zweifel an Ihr, war ihrer nicht mehr mächtig; aber wirklich dachte sie ihrem Vater nach; und so ward des schlauen Mannes Wille erfüllt, der sie auf seine nachdrückliche Weise zahm machen wollte.
    „Ueberlegen Sie,“ fuhr er fort, „erwägen Sie! Da hab' ich um schweres und schwer bereutes Geld einen raren Menander gekauft, rar, weil er einzig ist in seiner Art und in meiner Hand— aber, aber! muß ich nicht fürchten, daß die ganze Buchdruckerwelt über ihn herfällt, wenn ich ihn vordrucke als Incunabel! Das Volk will nicht begreifen — weil es ihm nicht in dm Kram taugt — daß Homer's Werke, so gut wie Diogenes Tonne, noch heute sein Eigenthum,


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    waren, wenn er lebte oder seine Nachkommen, die Tonne nicht verlechzt, und . . . wenn Er oder Sie nicht das Recht darauf weggeschenkt oder verkauft hätten! Es will nicht einsehen, daß nur Werke vogelfrei werden, an die kein Lebender mehr ein, Recht hat. Der Tod ist also der beste Kuppler der Nachdrucke, weil er alle Arcana und Patente dem Volk publicirt, und der größte Wohlthäter und Schenker der Menschheit, da er unsägliche Schätze der Vorwelt schon ausgeliefert, und die Schätze der Gegenwart noch ausliesern wird zu dem großen „goldenen, Hausschatz“ der Erde. Aber was der Tod kann und darf, ja soll, das wird dem Menschen Verbrechen, also auch dem Nachdrucker-Menschen und Menschen-Nachdrucker; denn in ihren Werken schlafen die Menschen — interdum dormitat bonus Homerus! — und durch gleiche Vernunft und gleichen Geist werden sie aufgeweckt und fortwährend lebendig erhalten im Spititus ihres eigenen Geistes. Bei der jetzigen Hervorsuchung der Legitimität, muß auch dem Volke, der Autoren nämlich, wenigstens seine Legitimität erlaubt werden; denn ein Volk sind sie fast an Zahl, und werden, sie nach und nach durch Zuwachs, und sind wenigstens immer der übrigbleibende, dauernde Theil eines Volkes — ja das Caput mortuum, oder vivum desselben. Sie hören — liebes, allerliebstes Hildchen — ich weiß! ich spreche vortrefflich-jammervoll selbst gegen mich! Aber, verzeihen Sie, das macht die verdammte Speculation mit dem Menander,


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    den ich Ihrem Herrn Vater leider, leider heimlich weggefischt — sagen Sie nicht: ihn darum betrogen, denn ich habe die Schelle damit ja ihm ab und mir umgebunden, und kann ihn erst drucken — wenn diesem Mauskopf lange kein Zahn mehr weh thut! Also, schöne, gute, einsichtige Tochter, liebste Hilda,. . . wie viel beliebt Ihnen noch Entschädigung? Und denken Sie, sehen Sie, hören Sie doch! ... Wir Nachdrucker bewahren die Herrn Buchdrucker — also auch ich Ihren Herrn Vater Warnkönig — gegen einen Buchdruckerkönig in Norden! und selbst alle Autoren müssen sich gegen einen Pressenkönig stemmen, der dann willkührliches Honorar bezahlt, Lob und Tadel spenden läßt, wie ein Mongole, der durch den Ausrufer vor seinem Zelte der ganzen Welt erlaubt zu essen, was und wie viel — wenn Er satt ist! Aber wir . . . wir rütteln an seinem Zelte, das glauben Sie mir, und schlagen seinen Sclaven auf den Mund — mit Löschpapier! Uebrigens, liebe Hilda, schlagen wir unsere Literatur, als wahres Interim, wahrlich zu hoch an. Sie tappt, versucht und sucht erst. Sie ist eine messenweise Um-Schreibung aller Wissenschaften, Um-Malung aller Ansichten, und die Bücher mit stehend bleibenden — Gedanken erwarten wir erst; denn die Deutschen werden sich selbst noch himmelhoch übertreffen! Der Ruhm der jetzigen sogenannten Besten wird durch künftige Sonnen sehr niedergehalten erscheinen.


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    Jetzt lebt noch das deutsche Volk im frühlings-stürmischen April seines Jahres, und Manche sagen sogar oder denken doch: es lebt noch im ersten April — nach dem bekannten Sprichwort, so daß man es hinschicken kann, wohin man will! Uebrigens — was besitzen die Schriftsteller denn wirklich so Eigenes, daß ihr Recht gar so scharf zu nehmen wäre! Haben sie nicht Alles genommen aus der Welt? Wer ist denn eigentlich der Verfasser von Doctor Faust? Das Volk und die Zeit; denn die Erfindung ist Alles! Die Auffassung von Farben und Scenen aus Natur und Welt, kann doch nicht gar so erschrecklich hoch angeschlagen werden! Des armen Herrn Freigangs Leiden der Zeit — sind es etwa seine Leiden? hat er Stoff, Inhalt, Rath, Ausführung nicht Alles von der Gegenwart genommen — nachgedacht, nachgedruckt gleichsam! Sind es nicht die Leiden gegenwärtig armer Menschen? Sollen sie ihre Leiden nicht so wohlfeil als möglich «halten! Ich habe hier eine Vision in Manuseript „das „Schriftstellergericht;“ nehmen Sie dieselbe gefälligst an! da werden Sie sehn, was — nach Abzug alles Abzuziehenden an Jedem bleibt — kaum Haut und Haar. Und nun, liebe Hilda, zum Letztenmal — was verlangen Sie noch Entschädigung? Etwa hier zum Beweis meiner Schuld ein Exemplar von den Leiden, um mich bei Serenissimo anzuklagen — das steht zu Dienst und ich in Gottes Hand. Doch das will ich Ihnen sagen: ehe eine Sache nicht himmelschreiend wird,


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    hier fehlt was************eine ganze Seite


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    darum schnitt ich Ihnen alle andern Wege ab, nur darum . . .“
    Er hielt inne. Hilda, die blaß vor Schaam und Angst zur Erde gesehen, hob ihr Auge nicht aus; sondern viel zu fromm, als ihrem Vater etwas Anderes, als Liebe zu ihr und mithin den Wunsch ihres Glückes zuzutrauen — und viel zu erhaben, als ihre Seele mit einer Betrachtung und Abweisung eines solchen Ansinnens zu erniedrigen — ging sie mit düster gesenktem Haupte leise hinaus zur Thür, wo sie auf eine Menge Rosen trat, die ihr wahrscheinlich der liebende Sohn des verliebten Vaters von den Monatsrosen-Stöcken vor den Fenstem über dem Laden abgeschnitten und fallen lassen, um .sie sanft und schön an sich zu erinnern — und aus ihrm Augen fiel eine Thräne darauft. Der kleine Cornelius aber las die Rosen zusammen und trug sie ihr hinterdrein, während Herr Mauskopf, die Hand am Kinn, dem reizenden Mädchen nachsah. Sie aber fror fieberhaft und fühlte den Scheitel, selbst in dem warmen Sonnenschein, wie mit eiskaltem Wasser begossen. Die Natur legte den Grund zu ihrer — gründlichen Hülfe; denn aus des Menschen Gedanken und Gefühlen erwächst ihm Leben oder Tod. Der kleine Cornelius aber schrie sie munter aus ihrer Versunkenheit, durch sein wiederholtes Rufen: Mutter! Mutter! meine Mutter, ach, meine Mutter!“ — Und in der That, sahe Hilda ein junges Weib, gewiß Gemma selbst,


    bild

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    auf einem offenen Wagen, auf einem Strohbund sitzend, unter Bedeckung die Straße hinunter fahren — wahrscheinlich in ein Gefängniß. Das ließ vermuthen, daß zwischen Mahner und Lelisa ein gewaltsamer Vorgang statt gefunden, bei dem die Schuldige ergriffen worden.