Der Seelenmarkt
Novelle von Leopold Schefer

Motto: Was nicht dein ist, das laß 
      liegen.

bullet1 „Currende


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    Unterzeichnete haben in sichre Erfahrung gebracht, daß an hoher Stelle die Nachdruckssache wieder einmal mit Nachdruck behandelt werden soll. Da nun Alles im Lande repräsentirt werden muß, und Wir gar keine zu verachtende Innung ausmachen und die Nachdrucker-Kunst die Buchdruckerkunst überbietet, so will es Noth thun: einem Sprecher, ja Schreier für uns goldene Dinge in den Mund zu legen, das heißt im Kamm er tone: Ducaten in den Schubsack zu stecken! Einer aber ist nicht uninteressirt genug, einen solchen Schubsack allein zu füllen; giebt aber Jeder von uns, wenigstens durch öffentliche Nachrede Verbundene:  10 Ducaten, so muß, nach keinem conto fintu die präsentable Summe von 1000 Ducaten zusammen geächzt werden. Ew. Wohlgeboren verzeihen wahrscheinlich, wenn wir nun Hochdieselben mit uns in Eine Classe setzen — (weniger können wir keinenfalls thun, noch mehr) — und wir demnach Ew. — wir möchten sagen: Liebden, oder sehr lieben Herrn Collegen für dasselbe halten, was wir sind, nämlich — was aus Dero berühmten Verlagsartikeln, auch Novitätenzettel ! hervorgeht — ein schimpflich sogenannter Nachdrucker


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    (nicht Nachtdrucker, als wenn unsere Bücher so schlecht und falsch wie bei Nacht gedruckt waren.) Damit wir nun nicht in corpore unterdrückt werden, ergeht aus dem Geiste der ganzen löblichen Gilde die eindringlichste Bitte an Ew. Sehrlieben: eben avisirte 10 Ducaten (unbeschnitten) mit beizutragen für den besagten „Schubsack“ — einen famosen Doctor Iuris utriusque, (Sie werden das utriusque verstehen: der Recht zu Unrecht, und Unrecht zu Recht macht.) Damit nun Ew. Sehrlieben in Ihrem Gewissen nicht meinen: wir wollten das Geld unterschlagen oder es technisch auszudrücken — nachdrucken (was Manche unsrer höchstachtbaren Herrn Brotherrn ober Vordrucker auf deutsch stehlen wollen nennen, das heißt, nicht etwa stehlen wollen, sondern wirklich stehlen) so sind wir so frei, Ihnen die dreimal versiegelte, im sammtnen Mundloch mit Widerhaken versehene Sammlungsbüchse beizusenden, damit Sie Ihre — Sie verzeihen den Ausdruck: Ihre zehn Ducaten Beitrag zweifelsohne sicher hinein stecken können; leicht verdient wird leicht verthan und der Sprecher wird sprechen! Wir werden seine Rede drucken, um doch Einen Artikel sogenannten ächten Verlag zeitlebens auf dem Lager zu haben und Jedermanns vorlegen zu können, oder an die Paar günstigen Gelehrten, die viel auf Wohlfeil-Lesen und nichts auf Schreiben halten, mit beizulegen bei Sendungen. Wir müssen zusammenhalten, noch ärger als Juden, und klare Statuten im nächsten Convente beschwören, damit wir etwas,


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    nämlich die Hauptsache vor unfern Feinden voraus haben, und damit wir nicht wieder erleben, daß die Brillenhandler uns ihre Dankadresse einschicken, weil unser Druck ihren Absatz höchst erfreulich vermehre; oder daß die Papierfabrikanten uns eine neu? Sorte Druck-Löschpapier ohne Ende anbieten, das eigends für Uns inventirt sei, obgleich Papier ohne Anfang für uns besser und schon erfunden sei! Das klingt satyrisch, aber: wer sich nicht selber die Wahrheit sagt, dem sagen sie Andre — empfindlicher. Sie werden dafür die Freude haben, daß wir am Leben bleiben! den Beitrag verdienen Sie in Lüften wieder schon an einem A. B. C! Krebswächter auf der Ostermesse sind angestellt, denn kein gedrucktes Lob noch kein gedruckter Tadel ist mehr zu respectiren, noch so sehr, sals der Krebs- oder Vögelbeweis; daher der angestellte Vogelwächter über ausgeflogene Bücher-Vögel — oft gerade die Losesten! Von diesen nun fangen Wir ein! Doch Sie verzeihen, daß wir als Pfuscher einem Meister etwas lehren wollen. Schade, daß wir keine überall mit Klingeln behangene Puppe haben, an der Wir unser Handwerk erlernen könnten — bis sie nicht mehr klingelt! Leider stehen wir noch gleich — und namenlos — in den Zeitungen, und durch Herabsetzung der nachgedruckten Bücher werden wir nicht in effigie, sondern in natura herabgesetzt. Aber lasset uns Gutes nachdrucken, und nicht müde werden! Denn zu seiner Zeit, das heißt:


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    Endlich hört man auf zu schreien!
    Endlich hört man auf zu schimpfen!
    Endlich werden Wir uns freuen,
    Haben Gold in allen Strümpfen!

    P. S.

    Die Büchse belieben Sie durch einen ganz ehrlichen Mann — wenn Sie einen dafür halten — weiter zu befördern an ihren nächsten Mitarbeiter an wohlfeilen Büchern; hoffentlich werden Sie nicht weit haben. Thun Sie aber bei Einzählung der Ducacen nicht, als ob Sie Honorar bezahlen sollten (Blei soll öffentlich bekannt gemacht werden) sondern zahlen Sie auch einmal Honorar — (man muß alle Empfindungen im Leben aus Erfahrung kennen) — es wird Ihnen nicht wieder vorkommen! Verlegen konnten wir das Geld unmöglich, indem Sie ja wissen: Wir sind nicht Verleger.

               W** St** R**

    A — Z. “


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